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Diese verdammte Abhängigkeit Deutschlands von dieser internationalen Wettbewerbsfähigkeit


Da stehen sie nun wieder, die Architekten der schönen neuen Energiewelt, und erklären uns mit dem Brustton moralischer Überlegenheit, dass die jüngste Krise vor allem eines zeige: Wir müssten endlich „unabhängig“ werden.



Unabhängig von Öl. Unabhängig von Gas. Unabhängig von Kohle. Unabhängig von allem, was bislang dafür gesorgt hat, dass dieses Land nicht bei Sonnenuntergang kollektiv den Betrieb einstellt.

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Was für ein rührendes Missverständnis

Deutschland war nie wirklich abhängig von Energieimporten. Deutschland ist abhängig von etwas viel Unangenehmerem: von internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Von Unternehmen, die ihre Produkte zu Preisen herstellen können, die irgendjemand außerhalb der eigenen moralischen Komfortzone auch bezahlt. Von Energiepreisen, die nicht wie ein politisches Erziehungsinstrument wirken. Und – man wagt es kaum auszusprechen – von Wertschöpfung, die einen Sozialstaat überhaupt erst möglich macht.

Diese verdammte Abhängigkeit! Wie unerquicklich!

Denn sie zwingt uns zu Dingen, die so gar nicht in die Wohlfühlrhetorik passen: Effizienz. Produktivität. Realitätssinn. Sie zwingt dazu, dass Stahlwerke mehr brauchen als gute Absichten und dass Chemieanlagen sich nicht von Hashtags betreiben lassen. Und sie hat die unangenehme Eigenschaft, sich sofort zu rächen, wenn man sie ignoriert: Unternehmen gehen, Arbeitsplätze verschwinden, Investitionen folgen dem Strom – und der fließt bekanntlich dorthin, wo er bezahlbar ist.

Doch statt diese Abhängigkeit als das zu begreifen, was sie ist – die Grundlage unseres Wohlstands –, wird sie zum Feind erklärt. Weg damit! Raus aus den globalen Märkten! Rein in die moralische Autarkie!

Und hier wird es endlich ehrlich. Denn wenn man diese „Abhängigkeit“ wirklich abschafft, dann bleibt nicht etwa ein grünes Schlaraffenland übrig. Sondern etwas sehr viel Bodenständigeres: ein drastisch niedrigeres Energieangebot, ein entsprechend reduzierter Lebensstandard und eine Wirtschaft, die sich eher an vorindustriellen Maßstäben orientiert als an einer exportgetriebenen Industrienation.

Man könnte es auch anders formulieren: Ein System, das mit sehr viel weniger auskommen muss – und in dem folglich auch sehr viel weniger Platz ist für das, was wir heute als selbstverständlich betrachten.

Natürlich spricht das niemand so offen aus. Stattdessen wird mit gigantischen Ausbauplänen für Sonne und Wind hantiert, flankiert von Speicherlösungen, die es in dieser Größenordnung noch gar nicht gibt, und finanziert durch Summen von mehreren Billionen, die man am besten gar nicht erst vollständig ausspricht. „Investitionen in die Zukunft“, heißt es dann. Eine Zukunft, die offenbar ohne die Gegenwart auskommen soll, die sie bezahlt.

Und so schließt sich der Kreis. Wenn Energie knapp und teuer wird, wenn Industrie verschwindet und wenn Wettbewerbsfähigkeit als lästige Altlast gilt – dann ist der Schritt zurück in eine einfachere, genügsamere Welt plötzlich kein dystopisches Szenario mehr, sondern eine unausgesprochene Konsequenz.

Zurück in den Wald, gewissermaßen. Ohne globale Abhängigkeiten. Ohne industrielle Zwänge. Ohne diese lästige Notwendigkeit, Wohlstand zu erwirtschaften, bevor man ihn verteilt.

Endlich frei!

Der kleine, beinahe schon unhöfliche Einwand bleibt jedoch: Unsere heutige Gesellschaft – in ihrer Größe, ihrer Komplexität und ihrem Anspruchsniveau – basiert vollständig auf genau jener wirtschaftlichen und energetischen Leistungsfähigkeit, die man gerade zur Disposition stellt. Wer sie reduziert, reduziert nicht nur Emissionen. Sondern zwangsläufig auch das, was auf ihr aufbaut.

Mit anderen Worten: Die Frage ist nicht, ob wir unabhängiger werden können. Die Frage ist, wovon wir uns tatsächlich verabschieden wollen.

Von Öl und Gas?
Oder von der ziemlich unbequemen Grundlage unseres eigenen Wohlstands?

Denn diese verdammte Abhängigkeit von internationaler Wettbewerbsfähigkeit – sie hat einen entscheidenden Nachteil: Ohne sie funktioniert das System nicht.

Zu viele Menschen in Deutschland! Wer muss gehen und auf welche Weise?

Für 84 Millionen Menschen reicht dieses romantisierte Post-Industrie-Deutschland natürlich nicht. Wer ernsthaft glaubt, man könne ein dicht besiedeltes Hochtechnologieland energie- und ressourcenseitig auf eine Art Dauer-Sparflamme setzen und gleichzeitig denselben Bevölkerungsumfang halten, betreibt bestenfalls Wunschdenken. Realistischer – wenn man diese Logik konsequent zu Ende denkt – wäre eine Größenordnung von vielleicht 20 bis 40 Millionen Menschen, die unter deutlich einfacheren Bedingungen versorgt werden könnten. Sagen wir großzügig: 30 Millionen. Der Rest? Nun, genau an dieser Stelle endet die wohlfeile Transformationsrhetorik abrupt. Denn solange man nicht ausspricht, was geringere Energieverfügbarkeit, geringere Produktivität und geringerer Wohlstand tatsächlich bedeuten, bleibt das Ganze eine moralische Pose ohne Bodenhaftung. Die entscheidende Frage wird elegant umgangen: Wie soll ein System, das bewusst weniger erwirtschaftet, so viele Menschen tragen? Oder anders gesagt – wer übernimmt die Verantwortung für die Konsequenzen, die sich aus dieser Rechnung zwangsläufig ergeben?
Verfasser: АИИ  |  12.04.2026
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