Deutsch English Français Español Türkçe Polski Русский Română Українська العربية
Wise

Kinderbetreuung wird „wertvoller“ - Stadt will Kita-Beiträge erhöhen


Ja, das erfreut das Herz einer jeden Familie mit kleinen Kindern: Die Kinderbetreuung in den Kitas der Stadt Hohenmölsen soll wertvoller werden – also im Preis steigen.


Endlich eine gute Nachricht in Zeiten, in denen alles teurer wird. Die Mehrheit des Finanzausschusses hat die Beschlussvorlage für den Stadtrat beschlossen: Zehn Prozent drauf, pauschal in jeder Betreuungsstufe. Herzlichen Glückwunsch.

Im Finanzausschuss am 11.05.2025 mit dem erst einmal unverdächtigen Tagesordnungpunkt „Vorberatung zur 2. Änderung der Satzung über die Benutzung der Kindertageseinrichtungen der Stadt Hohenmölsen (KiTa-Satzung)“ wurde das Ganze als notwendige Maßnahme verkauft. Die letzte Anpassung liegt fünf Jahre zurück (Mai 2021). Seitdem sind die Personalkosten durch Tarifsteigerungen explodiert, die Bewirtschaftungskosten gestiegen – und der Anteil der Eltern an den verbleibenden Kosten (nach Abzug von Land und Landkreis) ist von einst rund 47 Prozent auf nur noch 29 Prozent im Prognosejahr 2026 gesunken. Die Stadt trägt plötzlich 71 Prozent der Restkosten. Das sei nicht tragbar, heißt es. Mit der Erhöhung sollen gut 85.300 Euro zusätzliche Einnahmen hereinkommen und das Haushaltsloch stopfen.

Man könnte auch sagen: Die Familien sollen mal schön mitbezahlen, damit das Defizit nicht ganz so peinlich aussieht.

Bundes- und Landespolitik hält die Kommunen kurz

Natürlich ist das nicht allein die Schuld der Stadt. Die wunderbare Bundes- und Landespolitik hält die Kommunen finanziell an der kurzen Leine. Statt echter Unterstützung für die Kinderbetreuung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe gibt es warme Worte und unzureichende Zuschüsse. Während Schulen (abgesehen vom Hort) kostenlos sind, wird bei den Kleinsten munter kassiert. Immer wieder gibt es Diskussionen über die Abschaffung von Kita-Beiträgen. Nur durchringen konnten sich die Regierungsparteien dazu bisher nicht.

In Hohenmölsen soll nun der Rotstift wieder bei den Eltern angesetzt werden, statt bei überflüssigen Ausgaben zu sparen oder mit mehr Druck auf Land und Bund zu reagieren.

Das Elternkuratorium der Kita Pfiffikus hat in ihrer Stellungnahme genau das klargemacht: Die Ursachen der Haushaltsmisere liegen nicht bei den Familien. Statt den Druck „nach unten“ weiterzugeben, solle sich die Stadt gegenüber übergeordneten Ebenen stärker positionieren. Kinderbetreuung sei zentral für Familienfreundlichkeit, frühkindliche Bildung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viele Eltern mit angespannten Einkommen stünden bereits an der Belastungsgrenze. Eine Erhöhung könne dazu führen, dass Betreuungszeiten reduziert werden müssen – ausgerechnet dort, wo beide Eltern arbeiten müssen.

Von den Elternkuratorien der anderen Kitas in der Stadt Hohenmölsen gab es bisher keine Stellungnahmen.

Vergleich mit anderen Städten als Trostpflaster

Besonders spannend ist die Begründung mit dem Vergleich zu Weißenfels und Naumburg. Dort ist es noch teurer, also ist eine Erhöhung in Hohenmölsen offenbar legitim. Nach dem Motto: „Schaut mal, bei den anderen ist es viel schlimmer!“ Das ist kein Argument, das ist die Kapitulation vor der eigenen Ideenlosigkeit. Man orientiert sich nicht am Machbaren oder am Wohl der Bürger, sondern am schlechten Beispiel der Nachbarn.

Dabei ist Hohenmölsen vor allem eine Wohnstadt. Ihr großer Vorteil gegenüber Leipzig oder größeren Zentren könnte genau darin liegen, dass Gebühren vergleichsweise niedrig sind und das Leben bezahlbar bleibt. Zumal für Pendler jeden Tag Fahrtkosten entstehen, die aufgrund der Steuern auf Benzin und Diesel durch die Politik stetig weiter nach oben getrieben werden. Eigentlich will man Menschen und Familien aus der Großstadt Leipzig anziehen – und treibt sie gleichzeitig mit höheren Kita-Beiträgen wieder weg. So baut man Wettbewerbsvorteile systematisch ab.

Die Abstimmung

Für die Beschlussvorlage zur Erhöhung der Gebühren stimmten Andy Haugk (Bürgermeister), Sylvia Weidemeier (Stadträtin, Ortsbürgermeisterin Webau, AHL), Thomas Zeischold (Ortsbürgermeister Zembschen, AHL), Katrin Block (Stadträtin, Ortsbürgermeisterin Taucha, AHL), Jan Förster (Stadtrat, CDU), Bernd Hoffmann (Stadtratsvorsitzender, Ortschaftsrat Webau, CDU), Michael Seppelt (Stadtrat, Ortsbürgermeister Werschen, AHL) und Corinna Zogall (Stadträtin, Ortsbürgermeisterin Granschütz, AHL).

Gegen die Beschlussvorlage stimmte Jens Neumann (Stadtrat, Fraktion SPD/Die Linke, Fraktionsvorsitzender).

Hohenmölsen zeigt damit einmal mehr, wie Kommunalpolitik funktioniert, wenn der Druck von oben kommt und der Mut unten fehlt: Man holt sich das Geld dort, wo es am einfachsten geht – bei den Eltern. Kinderbetreuung wird „wertvoller“. Für die Stadtkasse. Für die Familien wird sie einfach nur teurer.
Verfasser: АИИ  |  12.05.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
Jeden Tag neue Angebote bis zu 70 Prozent reduziert

Weitere Artikel
Nie wieder Bußgelder, nie wieder Gesetze beachten müssen - Landrat Götz Ulrich (CDU) macht den Weg frei

Nie wieder Bußgelder, nie wieder Gesetze beachten müssen - Landrat Götz Ulrich (CDU) macht den Weg frei

Es kam Post aus dem Landratsamt mit einem Bündel an Schreiben, was in diesen grauen Herbsttagen das Herz erwärmen lässt. Der von vielen g…
zum Artikel »
Wer wird es wagen, die Corona-Zeit im Burgenlandkreis aufarbeiten zu wollen?

Wer wird es wagen, die Corona-Zeit im Burgenlandkreis aufarbeiten zu wollen?

Die Corona-Zeit hat tiefe Spuren in der Gesellschaft hinterlassen – auch im Burgenlandkreis.…
zum Artikel »
Wurde das IKIG in Teuchern beerdigt? - Teucherner Stadtrat stimmte gegen das Interkommunale Industriegebiet

Wurde das IKIG in Teuchern beerdigt? - Teucherner Stadtrat stimmte gegen das Interkommunale Industriegebiet

Es ging hoch her in Teuchern. Die Abstimmung des Teucherner Stadtrates zum IKIG (Interkommunales Industriegebiet) stand auf der Tagesordnung…
zum Artikel »
Das Magdeburger Märchen vom „sicheren, bezahlbaren und klimaneutralen“ Energiesystem: Willingmanns Papier als PR-Übung ohne harte Zahlen

Das Magdeburger Märchen vom „sicheren, bezahlbaren und klimaneutralen“ Energiesystem: Willingmanns Papier als PR-Übung ohne harte Zahlen

Das Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt Sachsen-Anhalt unter Armin Willingmann (SPD) hat am 26. Oktober 2026 ein …
zum Artikel »
Wenn der Höllensommer in Deutschland nicht für die Klimawandel-Hysterie ausreicht

Wenn der Höllensommer in Deutschland nicht für die Klimawandel-Hysterie ausreicht

Ich musste kürzlich wieder schmunzeln. Ein burgenlandkreisischer Klimawandel-Apokalyptiker versuchte erneut, Angst vor der Klimawandel-Apok…
zum Artikel »
Lotto
der offizielle Kanal der Bürgerstimme auf Telegram   der offizielle Kanal der Bürgerstimme auf YouTube   Bürgerstimme auf Facebook
Unterstützen Sie das Betreiben dieser WebSite mit freiwilligen Zuwendungen:
via PayPal: https://www.paypal.me/evovi/12

oder per Überweisung
IBAN: IE55SUMU99036510275719
BIC: SUMUIE22XXX
Konto-Inhaber: Michael Thurm